Betreuungsphasen

Einleitung

Unsere Betreuung baut auf einem dynamischen Konzept auf. Die Jugendlichen durchlaufen während ihrer Zeit im Projekt verschiedene Phasen. Auch innerhalb dieser Stufen kann sich die Betreuung ändern, wenn dies für die Entwicklung der Jugendlichen erforderlich ist.
Es wird immer nach dem Bedarf der Jugendlichen gehandelt und die Betreuung danach ausgerichtet. Das betrifft sowohl den Ort als auch die Methoden und Angebote, mit denen gearbeitet wird.

Ablehnungsgründe für die Aufnahme in unserem Projekt sind:

  • aktueller Konsum von sogenannten harten Drogen
  • drogenabhängige Jugendliche ohne eine qualifzierte Entgiftung
  • aktuelle Suizidgefahr
  • eine diagnostizierte psychische Erkrankung, die einen Auslandsaufenthalt gesetzlich verbietet

Krisen sind keine Unterbrechung unserer Arbeit. Sie bringen natürliche Veränderungen mit sich und sind Teil der Entwicklung der Jugendlichen, aus denen man gemeinsam stärker heraustreten kann.

In regelmäßigen Abständen (wöchentlich oder monatlich, je nach Bedarf der Jugendlichen und / oder des Betreuers) gibt es ein Gespräch mit der Pädagogischen Leitung, bei dem der aktuelle Stand der Situation überprüft und (falls erforderlich) modifiziert wird. Monatlich werden Berichte über die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen über erreichte Teilziele erstellt und neue Ziele festgelegt.

Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit deutschen Fernschulen anerkannte deutsche Schulabschlüsse zu erreichen. Begleitet wird dieser Prozess von schulischen Betreuern (Begleitpersonen).

Zudem besteht die Möglichkeit, in verschiedenen Bereichen Praktika zu absolvieren, in denen junge Menschen ihre Fähigkeiten und Vorlieben kennenlernen können, um später eine entsprechende Berufsausbildung zu initiieren.

Clearing-Phase (Vorlaufmaßnahme)

In der ersten Phase der 1:1 Betreuung haben die Jugendlichen die Möglichkeit, eine vertrauensvolle Bindung zu ihrem Betreuer aufzubauen. Das ist vor allem für die Jugendlichen wichtig, die sich zunächst in einer besonderen Situation befinden, die sich von ihrem bisherigen Umfeld stark unterscheidet.

Im Ausland zu sein, mit einer fremden Sprache und Kultur konfrontiert, fernab der bisherigen Peergroup, kann eine funktionierende Beziehung schaffen, die die Bindung zwischen Klient und Betreuer vertieft. Das ist besonders bei Kindern und Jugendlichen von Bedeutung, die Schwierigkeiten haben, Autorität und Hierarchien anzuerkennen und sich auf Bindungen einzulassen.

Eine Clearing-Phase in Form eines Reiseprojektes, welches bis maximal 3 Monate andauern kann, kann dazu genutzt werden, den Jugendlichen erste Standards (Hygiene, Verhalten, Rücksichtnahme, Solidarität) zu vermitteln.

Wohn- und Orientierungsphase

Diese Phase beginnt mit der Ankunft des/der Jugendlichen im Standort des Betreuers und dem Kennenlernen der neuen Umgebung (Zimmer, Haus, Nachbarschaft). Der/die Jugendliche bezieht ein eigenes Zimmer.

Die Beziehung zwischen Jugendlichem/n und dem/der Betreuer/in, das tägliche Leben und die Kontinuität eines geregelten Tagesablaufs stehen jetzt im Vordergrund. Sie sollen erkennen, dass sie sich an einem geschützten Ort befinden und diesen akzeptieren.

Schritt für Schritt erfolgt die Integration des Jugendlichen in das Projekt, mit Kontakten zum Rest der Gruppe und wenn erforderlich, dem Beginn der Psychotherapie.

In dieser Phase ist es möglich, Interessen und Stärken der Jugendlichen zu erkennen und diese den Jugendlichen aufzuzeigen oder sie dazu zu bringen, ihre Ressourcen selbst zu benennen. An Stärken kann die Betreuung in der alltäglichen Arbeit anknüpfen und diese fördern. Mit pädagogischen Erlebnishandlungen soll eine differenzierte Rollenfindung, die Übernahme von Eigenverantwortung und die Stärkung des Selbstwertgefühls erreicht werden.

Stabilisierungsphase

In diesem Stadium übernehmen die Jugendlichen mehr Verantwortung für sich selbst und für die Gemeinschaft, in der sie leben. Dazu zählen z.B. mehr Einbindung in gemeinsame Aufgaben im Haus oder bei Arbeiten auf dem Grundstück, vorausschauendes Planen für sich selbst und wirtschaftlich verantwortungsvoller Umgang mit dem Taschengeld.

Die Lerneinheiten können in dieser Phase intensiviert werden, um sich auf einen Schulabschluss entsprechend der Kompetenzen vorbereiten zu können.

Die Jugendlichen lernen, über ihre Familie und ihre eigene Position darin nachzudenken, ihre Rolle in der Beziehungsstruktur zu finden und sie gegebenenfalls neu zu definieren. Aus diesem Grund wird bei Bedarf der regelmäßige Kontakt mit den Eltern gefördert und die Gespräche gemeinsam ausgewertet.

Dank der intensiven 1:1 oder 1,5:2 Betreuung ist es möglich, ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Betreuer und dem/der Jugendlichen herzustellen, um z.B. Ängste oder dissoziale Verhaltensweisen aufzudecken, ihnen gegenüberzutreten und neue Verhaltensstrategien zu entwickeln. Dafür können wöchentliche therapeutische Sitzungen sehr unterstützend sein.

Phase der Integration und Autonomie (Verselbständigung)

Ziel ist die Entwicklung einer autonomen Lebensperspektive, die die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensplanung beinhaltet. Jugendliche können in verschiedenen praktischen Klassen ihre eigenen Fähigkeiten unter Beweis stellen und eine Orientierung für sich selbst entdecken.

In dieser Phase ist der Jugendliche ausreichend stabilisiert, um mit anderen Jugendlichen in deren unmittelbarer Umgebung (zum Beispiel im Sportzentrum) Kontakt aufzunehmen, ohne auf alte Verhaltensmuster zurückzugreifen. Die Begleitung des Betreuers ist reduziert.

Während in den ersten Phasen tägliche oder wöchentliche Pläne gemeinsam erstellt und umgesetzt wurden, sollen die Jugendlichen ihre Vorhaben nun selbst strukturieren, zeitlich abstimmen und organisieren.

Es besteht die Möglichkeit, eine eigene Wohnung anzumieten, um unter Aufsicht und Begleitung ein eigenständiges Leben zu erlernen.

Jetzt werden auch die ersten Schritte für die Rückkehr nach Deutschland eingeleitet, indem nach einem Ausbildungsplatz gesucht wird, Bewerbungen geschrieben werden und Vorbereitungen zur Rückkehr in die Herkunftsfamilie, für den Umzug in eine Wohngruppe oder in eine eigene Unterkunft getroffen werden.

Krisenintervention

Zunächst wird versucht, mit dem/der Jugendlichen, dem Betreuer und der Pädagogischen Leitung eine Lösung innerhalb des Betreuungsstandorts zu finden.

Ist das nicht möglich, kann die Intervention auch außerhalb des täglichen Projektlebens stattfinden. Während dieser Zeit reist der/die Jugendliche allein mit seinem/ihrem Betreuer. Das kann je nach Problemlage ein paar Tage oder auch Wochen sein, um eine neue Bindung zwischen Jugendlichen und Betreuer aufzubauen und die Ressourcen und Probleme zu diagnostizieren. Dem Jugendlichen wird dadurch die Möglichkeit eines „Neubeginns“ gegeben.